Kompetent im Informationskrieg

Es ist unvorstellbar und unbeschreibbar furchtbar, aber es herrscht tatsächlich Krieg in Europa. Im 21. Jahrhundert trägt sich Krieg jedoch nicht mehr nur auf den Straßen zu, sondern auch in den Medien. Wir befinden uns ebenfalls in einem Informationskrieg. Um diesen Informationskrieg nicht zusätzlich zu befeuern, obliegt uns eine Verantwortung, uns kompetent im Web zu bewegen. Das gilt sowohl für Jüngere als auch für Ältere. Daher haben wir in diesem Artikel Hilfestellungen formuliert und hilfreiche Unterrichtsmaterialien zusammengestellt, um dieser Verantwortung gerecht zu werden.

1. Quellenarbeit

Eine der wichtigsten Kompetenzen ist, die Verlässlichkeit von Informationen zu prüfen. Dafür muss man sich bei jeder Information – also bei jedem Tweet, jedem Post, jedem Artikel – im Internet die Fragen stellen: WER, WIE, WAS, WARUM? 

Wer steht dahinter? Wer sind die Autoren oder Herausgebenden der Information? Von offiziellen Stellen werden Informationen besser abgesichert sein als von privaten Bloggern. Verfolgt die Quelle eine politische Agenda? 

Prüft dabei genau die Accounts und wartet lieber auf die Meldung von offiziellen Medien. 

Wie werden die Informationen geliefert? Wie professionell wirkt der Beitrag? Welcher Schreibstil wird genutzt? Akademisch mit vielen Fachbegriffen, journalistisch oder einfach verständlich? Sachlich informativ oder reißerisch populistisch? Handelt es sich eher um einen Blog oder eher einen News-Artikel? 

Kopierte Inhalte deuten auf unseriöses Copy & Paste-Verhalten hin. Auch vermehrte Rechtschreibfehler lassen auf fragwürdige Quellen schließen. Posts, die viel Meinung und wenig Inhalte präsentieren, sollten mit Vorsicht genutzt werden. Gleiches gilt für gesponserte Beiträge.

Was für Informationen werden bereitgestellt? Aus welcher Zeit stammen die Informationen? Welche Quellen werden genutzt? 

Teilt keine Gerüchte und Spekulationen. Überprüft einzelne Informationen stichprobenartig anhand von weiteren verlässlichen Quellen. Verifiziert bei Bildern und Fotos die Angaben zu Ort, Zeit und Kontext. 

Warum wird die Information zur Verfügung gestellt? An welche Zielgruppe und zu welchem Zweck? Soll der Beitrag informieren, unterhalten, beeinflussen oder etwas animieren?

Lasst euch nicht von aufwühlenden Posts provozieren. Möglicherweise wollen die Verfassenden nur Aufmerksamkeit erreichen, die Ihr ihnen mit entsprechenden Gegenpostings liefert.

Wenn Ihr Inhalte definitiv als Fake News oder als diffamierend entlarvend konntet, kann es auch das Richtige sein, den Inhalt und die entsprechenden Verfasser zu melden.

Tools- und Websiten-Tipps

Hilfreiche Informationen über den richtigen Umgang mit Bildern und Quellen – speziell zum Ukraine-Konflikt – finden sich beispielsweise im Spiegel und im Bayerischen Rundfunk:

Mit dem einfach bedienbarem Selbsttest „Wie gut bist du im Umgang mit Nachrichten im Internet?“ können mit 24 Fragen aus fünf Bereichen die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit Nachrichten im Netz getestet werden. Dazu gehört auch, Nachrichten und Behauptungen, aber auch Zusammenhänge zwischen digitalen Plattformen zu beurteilen. Hier kann Dir eine hilfreiche Einschätzung Deiner medialen Kompetenzen geliefert werden.

Auch für Jüngere ist es jetzt wichtig, einen kompetenten Umgang mit Fake News zu entwickeln. Möglicherweise bietet sich hierfür eher ein spielerischer Zugang an: In dem interaktiven Spiel Bad News können Lernende hinter die Abgründe der Fake News blicken. Auch das innovatives Lernspiel „Fake It To Make it“ mit hilfreichen Arbeitsmaterialien von der Bundeszentrale für politische Bildung kann hierfür genutzt werden. Während das Bad News speziell für eine Altersklasse zwischen 15 und 35 Jahren entwickelt wurde, setzt Fake It To Make It lediglich ein gewisses Textverständnis bzw. eine grundlegende Lesekompetenz voraus und ist damit auch in jüngeren Alterklassen zu verwenden.

Noch mehr kostenlose Unterrichtsmaterialen für Pädagogen und Eltern finden sich auf der Website Klicksafe. Für Österreich gibt es die ähnliche Website Saferinternet. Eltern empfehlen wir ebenfalls den Elternratgeber Flimmo, die Tipps für eine kindgerechte Medien-Aufklärung liefern. Zum Thema FakeNews gibt es auch auf der Seite von Fobizz wertvolle Unterrichtsmaterialien.

2. Sensible Sprache bei Posts

Wichtig: Weder muss derzeit alles über die Ukraine im Internet direkt geteilt werden noch muss alles öffentlich diskutiert werden. Wenn man sich mit bestimmten Inhalten nicht sicher ist, reicht es häufig auch, sich mit seinem privaten Umfeld zu besprechen. 

In Zeiten von Krieg können Postings schnell geschmacklos wirken. Wenn Ihr Euch jedoch trotzdem entscheidet, öffentlich Informationen zu teilen, gebt auch die Quelle dazu an. So gebt Ihr anderen Menschen ebenfalls die Möglichkeit, Informationen eigenständig zu prüfen und zu beurteilen.

In solchen Postings sensible Sprache zu benutzen, ist unverzichtbar. Nicht ohne Grund gibt es den Spruch: „Worte können mehr verletzen als ein Schlag ins Gesicht.“ Daher müssen Worte mit Bedacht gewählt werden.

Humor wirkt in einer solch prekären Situation niveaulos (siehe den Youtuber KuchenTV). Es ist unbedingt zu empfehlen, von ironischen Bemerkungen Abstand zu halten. Dazu zählen auch Memes.

Kriegsgeschehen ist extrem komplex und die Expertise von Unbeteiligten ist begrenzt. Diese Grenzen sollte man sich vor dem Posten bewusst machen. Bewertungen können anmaßend und unangemessen sein. Außerdem gilt auch hier: Think before you post. Mit öffentlich geposteten Bewertungen gibt man gleichzeitig auch persönliche Stellungsnahmen ab. Auch wenn diese häufig ein Zeichen der Solidarität liefern sollen, macht das Internet ja bekanntlich mit Informationen, was es will. Daher sollte auch dies nur geschehen, wenn man sich vollständig über mögliche Konsequenzen bewusst ist. 

Quellen:

Tipps kann man sich beim Tweet von der Expertin zu Fake Facts Pia Lamberty holen:

 

Materialien auf Klicksafe

Unterrichtsmaterialien auf Fobizz